Weihnachtsfreak versus Weihnachtsmuffel

Die Debatte beginnt alljährlich rund um Allerheiligen. Die einen haben längst die ersten Weihnachtsgeschenke im Schrank, erstellen Gästelisten und Menüpläne und freuen sich, wenn es in den Geschäftsstraßen langsam weihnachtlich wird. Den anderen ist alles zu früh, viel zu früh … und überhaupt.

Ich oute mich als Weihnachtsfreak, von meinem Mann liebevoll-spöttisch auch „Christkindl“ genannt.

Schon im zarten Alter von neun Jahren begann ich, die Familienweihnacht zu planen. Leider bestand die Familie lediglich aus meinen Großeltern, meinen Eltern und meiner Wichtigkeit. Die wenige Verwandtschaft wohnte weit weg – zu weit weg, um in meine Pläne eingebunden zu werden. Dennoch begann ich schon im September mit den Vorbereitungen. Mutter und Großmutter wurden zu Chorproben eingeladen – leider weigerte sich meine Mutter schon im September Weihnachtslieder zu singen. Oma war da flexibler.

Als ich Jahre später meinen Mann kennenlernte, gab es dann wirklich etwas zu planen, denn nun waren wir eine Patchworkfamilie. Je älter die Kinder wurden, desto trickreicher die Planung, denn mit erwachsenen Kindern kommen neue Familienangehörige hinzu. Nun war ich in meinem Element.

Nicht zu vergessen die adventlichen Vorbereitungen, vom Adventkranz über den Adventkalender – altmodisch, nach Tunlichkeit mit etwas Glitzer und nur ja keine Schokolade – muss alles rechtzeitig parat sein. Und dann meine Weihnachtspost, an der ich immer noch festhalte, wenn ich mich mittlerweile auch der moderneren Technik bediene.

Eine ebenso liebe wie langjährige Freundin schüttelt darüber alljährlich nur den Kopf, und obwohl wir schon mehr als einmal darüber gesprochen haben, verstehe ich immer noch nicht ganz, wie man sich dem Zauber dieser Zeit dermaßen entziehen kann.

In den Kinderjahren ging es natürlich vor allem um den Heiligen Abend, den mit vielen Süßigkeiten festlich geschmückten Baum und natürlich auch um die Geschenke. In der Zwischenzeit lege ich Weihnachten großräumiger an. Alles gehört dazu. Die Planungen, die vorweihnachtlichen Treffen mit Freunden, der Weihnachtsabend und die Festtage mit der Familie, der festlich gedeckte Tisch und der Verdauungsschnaps danach. Dann der Silvesterabend und – wenn alles abgefeiert ist und die letzten Gäste gegangen sind – die ruhevollen Stunden mit den neuen Büchern unter dem leise rieselnden Tannenbaum.

Also ehrlich, liebe Weihnachtsmuffel – da könnte doch für euch auch etwas dabei sein.