Interviews mit meinen Protas

  1. Auf eine Tasse Tee mit Elena (aus Millionärin wider Willen)

Liebe Elena. Sie sind Ärztin im Ruhestand. Viele Menschen freuen sich auf diesen Lebensabschnitt. Sie scheinen nicht dazu zu gehören. Was finden Sie so schlimm am Ruhestand?

Elena: Die Antwort ist einfach. Es ist die Ruhe. Ich habe meinen Beruf geliebt, bin gerne mit Menschen zusammen und brauche eine Aufgabe. Jeder Mensch braucht doch eine Aufgabe.

Sie könnten reisen, Urlaub machen, sich um ihre Enkelin kümmern und stundenlang lesen. Können Sie diesen Dingen denn nichts abgewinnen?

Elena: Doch, zur Erholung und Entspannung ist das alles wunderbar.  Aber wovon soll ich mich denn erholen, wenn ich den ganzen Tag nichts zu tun habe?

Was halten Sie davon, sich ehrenamtlich zu engagieren?

Ich helfe gerne, bin aber kein großer Fan des Ehrenamtes, weil ich glaube, jeder Mensch, der sich engagiert und kompetent an einer Sache arbeitet, sollte eine faire Bezahlung erhalten.

Aber nicht zuletzt durch ihren Lottogewinn sind Sie doch finanziell unabhängig.

Es geht ja auch nicht im mich. Ich finde es ganz generell unfair, dass Menschen für ihre Leistung nicht bezahlt werden. Ich rede nicht von Freundschaftsdiensten, das ist etwas ganz anderes. Ich rede von Leistungen, die von Einzelnen für die Gesellschaft erbracht werden, für die einige bezahlt werden und andere eben nicht. Wie zum Beispiel die freiwilligen Helfer beim Samariterbund oder der freiwilligen Feuerwehr.

Sind oder waren Sie vielleicht ein Workaholic?

Vorsicht, meine Liebe! Workaholismus ist eine Krankheit. Nicht jeder, dem seine Arbeit Spaß macht ist deswegen gleich krank. Da finde ich es schon deutlich bedenklicher, wenn Menschen das Nichtstun zum Ideal erheben und gar nicht erst versuchen einen Beruf zu finden, der sie ausfüllt und ihnen Freude bereitet.

Ihr Sohn Axel könnte das anders sehen.

Axel ist ein gutes Beispiel. Es hat eine Weile gedauert, aber seit er seinen Weg gefunden hat, arbeitet er sehr engagiert.

Hat ihn das zufriedener gemacht?

Ich glaube ja, aber fragen Sie ihn. Meine Schwiegertochter hat es auf jeden Fall zufriedener gemacht.

Ist Ihnen die Zufriedenheit ihrer Schwiegertochter denn so wichtig? Schwiegertöchter sind bei Schwiegermüttern ja meist nicht so gut angesehen.

Das ist ein albernes Klischee.? Meine Schwiegertochter ist eine intelligente Person, tatkräftig noch dazu. Warum sollte ich sie nicht mögen?

Sie betonen Intelligenz und Tatkraft. Wäre es nicht wichtiger, dass ein Mensch liebenswert und von sozialer Kompetenz ist?

Das eine schließt das andere ja nicht aus.

Setzten wir Liebenswürdigkeit und emotionale Kompetenz einmal voraus, was ist Ihnen dazu wichtiger – Intelligenz oder Tatkraft?

Tatkraft. Nicht jeder kann Professor sein, aber im Rahmen seiner Möglichkeiten anpacken kann jeder.

Ihr Sohn ist jetzt Politiker. Sind Sie ein politischer Mensch?

Ja und nein. Ich war nie parteipolitisch tätig und interessiere mich auch heute noch nicht für das tägliche Hickhack zwischen den Parteien. Aber nennen Sie mir einen Bereich des Lebens, der nicht in irgendeiner Form politisch, oder zumindest gesellschaftspolitisch geprägt ist. Sie werden keinen finden.

Das ist ein gutes Stichwort. Ihre Schwiegertochter ist Immobilienmaklerin, Ihr Sohn der Chef einer Linkspartei. Führt das nicht zu Konflikten?

Auch die Befürworter linker Politik müssen irgendwo wohnen, meinen Sie nicht? Außerdem heißt die Partei, die mein Sohn in Leben gerufen hat, Ökologische Mitte.

Wohnen ist ein Grundbedürfnis, vielleicht sollte damit kein Geschäft betrieben werden?

Sind essen und trinken etwa keine Grundbedürfnisse? Damit wird meines Wissens jede Menge Geschäft gemacht. Von der Medizin erst gar nicht zu reden. Außerdem haben wir im Kommunismus gesehen wohin es führt, wenn sich ausschließlich der Staat um den Wohnraum kümmert.

Kann es sein, dass ihre politische Grundeinstellung eher konservativ ist?

Möglich.

Führt das nicht zu innerfamiliären Konflikten?

Es führt zu Diskussionen, zu hochinteressanten, manchmal auch durchaus emotionalen Debatten. Das finde es eher befruchtend als spaltend. Es scheint mir überhaupt das Problem unserer Zeit zu sein, Menschen gleich zu Feinden hochzustilisieren, nur weil sie unterschiedlicher Meinung sind. Wir leben in einer Demokratie, da sind unterschiedliche Meinungen nicht nur möglich, sondern auch wünschenswert. Man muss andere nicht entfreunden weil sie anderer Meinung sind oder das fragliche Thema meiden, wie der Teufel das Weihwasser. Schließlich wissen wir wohin es führt, wenn die Menschen nicht miteinander reden.

Da ist was dran. Gestatten Sie mir zum Abschluss noch eine kulinarische Frage. Kochen Sie gerne?

Ja, aber nur wenn ich ausreichend Zeit dazu habe.

Was ist ihr absolutes Lieblingsgericht?

Die Frage kann ich nicht eindeutig beantworten. Ich mag Sashimi ebenso gerne wie das Gulasch meines Ex-Mannes.

Dann sage ich danke für das Gespräch.

 

  1. Auf einen Prosecco mit Jutta (aus: Bücher machen nicht nur Freu(n)de)

 

Liebe Jutta, Sie sind Selfpublisherin, Buchhändlerin, politisch aktiv, verheiratet und nun auch noch Ersatzmama. Wird Ihnen das alles nicht zu viel?

Jutta: Ich bin ein aktiver Mensch und liebe die Abwechslung, also lieber manchmal etwas zu viel Aktivität als dauerhaft zu wenig.

Wie schaffen Sie es, das alles unter einen Hut zu bringen?

Jutta: Nachdem der Tag nur 24 Stunden hat und ich auch gerne schlafe, heißt das Zauberwort: delegieren.

Als Selfpublisherin widmen Sie sich dem Heiteren Gesellschaftsroman. Warum gerade dieses Genre?

Jutta: Ich schreibe das, was ich auch gerne lese und ich lese zur Unterhaltung. Dazu müssen die Geschichten und die Handlungen der Personen für mich nachvollziehbar sein – und ich mag einen gewissen Wortwitz.

Gehören Sie zu den Planern oder zu den Drauflosschreibern?

Jutta: Wenn ich mit einer Geschichte beginne, kenne ich das Setting, die wichtigsten Personen und habe eine Idee, wovon die Geschichte handeln soll. Zumeist habe ich auch eine Vorstellung vom Ende, aber da bin ich flexibel.

Mir ist aufgefallen, dass Sie nur selten Preisaktionen machen und die Preise ihrer E-Books im Vergleich zu anderen Selfpublishern eher gehoben sind. Ist Ihnen der wirtschaftliche Erfolg denn so wichtig?

Jutta: Selbstverständlich, er ist Teil der Anerkennung meiner Arbeit.

Das wären gute Rezensionen doch auch.

Jutta: Sicher, aber ich verstehe diese Haltung nicht, nach der alles möglichst billig, am liebsten noch umsonst sein soll. Nehmen Sie allein die E-Book-Piraterie.

Manche meinen, Wissen und Literatur sollten frei zugänglich sein.

Jutta: Was meinen diese Menschen eigentlich, wovon Autoren ihre Miete und ihre Lebenshaltungskosten bezahlen sollen? Vermutlich denkt darüber niemand nach, oder es ist ihnen egal. Warum gibt es teilweise so wenig Wertschätzung für die Leistung des anderen?

Was meinen Sie?

Jutta: Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil diese Menschen selbst keine Leistung erbringen oder das was sie tun selbst nicht als Leistung ansehen.

Kommen wir zum kulinarischen Teil des Interviews. Kochen Sie gerne?

Jutta: Nicht unbedingt. Ein schnelles Gericht am Abend, das geht, aber ich mag nicht stundenlang in der Küche stehen. Außerdem können andere das viel besser. Wenn ich wählen kann zwischen Küche und Schreibtisch nehme ich den Schreibtisch.

Was ist ihr absolutes Lieblingsgericht?

Jutta: Das ist schwierig. Ich mag die gefüllte Kalbsbrust, die meine Schwiegermutter zubereitet ebenso gerne wie das Roastbeef meiner Freundin Lore. Und wenn wir am Meer sind, lebe ich von Fisch und Meeresfrüchten. Dazu ein Glas Weißwein und Meeresrauschen. Herrlich!

Danke für das Gespräch!

 

  1. Auf ein Gläschen Champagner mit Chefkoch Lars (aus Ein Chefkoch und andere Katastrophen)

Lieber Lars, das Leben als hochdekorierter Chefkoch ist bestimmt sehr stressig. Leben Sie deshalb allein?

Lars: Ich lebe doch nicht allein. Ich war dreimal verheiratet und jetzt …

Schon gut, wir wollen nicht spoilern. Verraten Sie uns lieber, warum Sie Koch geworden sind?

Lars: Aber ja, weil ich gerne koche! Was dachten Sie denn?

Welche Eigenschaften sollte ein Koch, eine Köchin mitbringen?

Lars: Auf jeden Fall Fleiß und Ausdauer, denn noch nie wurde ein Chefkoch geboren. Wir alle haben mit Zwiebelschneiden begonnen. Dann sollte er oder sie belastbar sein, nicht zu dünnhäutig – und selbstverständlich sollte man eine empfindsame Nase und einen feinen Gaumen haben.

Vielleicht noch ein wenig schauspielerisches Talent?

Lars: (Überlegt) Nun ja, das ist zwar keine unabdingbare Voraussetzung – aber es schadet auch nicht.

Sie bringen auch dieses Talent mit.

Lars: Wenn Sie das sagen, Gnädigste. Darf ich Ihnen ein Gläschen Champagner anbieten?

Nach dem Interview sehr gerne. Ihr Küchenstil ist eher klassisch. Wie passt das zu gesunder Ernährung?

Lars: Sehen Sie, unsere Gäste genießen unsere Küche ja nicht täglich. Wenn Sie zu uns kommen, wollen Sie etwas Besonderes. Dazu gehören Butter und Sahne ebenso wie Edelprodukte. Und ja, wenn ich eine Sauce Hollandaise zubereite, dann ist die fett – aber köstlich! Und weil die Sauce fett ist, servieren wir sie auch nicht zur Entenleber, sondern zum Spargel.

Apropos Entenleber. Was halten Sie vom Tierschutz?

Lars: Unsere Fleischprodukte stammen ausschließlich von glücklichen Tieren. Das erwarten unsere Gäste auch zu recht.

Der österreichische Koch des Jahres verarbeitet alle Teile eines Tieres- from nose to tail, heißt da die Devise. Er meint, es wäre eine Frage des Respekts gegenüber dem Tier.

Lars: Aber ja doch, da bin ich ganz seiner Meinung. Ich muss aber nicht alles Teile in meinem Betrieb verarbeiten. Sehen Sie, der Fleischer, der uns beliefert, macht einen herrlichen Presskopf und auch seine Blutwurst ist nicht zu verachten. Aber um diese Dinge zu genießen, braucht man keinen Sternekoch. Von uns wollen die Gäste jene Gerichte, die sie zu Hause eben nicht zubereiten.

Verraten Sie uns abschließend noch Ihre Lieblingsgerichte?

Lars: Mit dem größten Vergnügen. Das könnte allerdings ein wenig dauern, weil ich nämlich ausgesprochen gerne esse und viele Lieblingsspeisen habe. Wissen Sie was? Ich schenke uns zuvor ein Gläschen Champagner ein.

Dann bedanke ich mich schon jetzt für das Gespräch und für den Champagner.