Brigitte Teufl-Heimhilcher

Autorin Heiterer Gesellschaftsromane

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Offener Brief an den Kulturminister


 

Offener Brief an den Minister für Kunst, Kultur, Verfassung und Medien

Sehr geehrter Herr Minister,

im Kurier vom 19. September d. J. musste ich lesen, dass Sie einerseits eine Buchpreisbindung für E-Books, anderseits eine Anhebung der Verlagsförderung planen.

Erlauben Sie mir dazu einige Gedanken aus der Sicht einer Selfpublisherin:

Zur Vorgeschichte

Wie Ihnen sicherlich bekannt, war es lange Zeit für Newcomer auf dem Buchmarkt de facto fast unmöglich, ein Werk zu veröffentlichen, da sich Verlage schon lange nicht mehr der Mühe unterzogen haben, neue Manuskripte zu lesen. Man setzte lieber auf Promi-Literatur oder auf eingekaufte Lizenzen.

Amazon – dem vielgescholtenen Online-Riesen – ist es zu danken, dass diese seit 2011 eine Plattform haben – das Zauberwort heißt: Direct Publishing – Veröffentlichungen direkt beim Online-Riesen – ganz ohne (geförderte) Verlage. Siehe da, innerhalb von nunmehr drei Jahren hat es eine Vielzahl von Selfpublishern geschafft, sich eine Leserschaft aufzubauen.

Seither bejammern Verlage und arrivierte Autoren den Untergang des Abendlandes. Amazon gefährde die Vielfalt – Gesetzgeber werden auf den Plan gerufen – es muss etwas geschehen: Amazon – und damit den Selfpublishern – sei gefälligst der Garaus zu machen!

Zur Buchpreisbindung

Da Selfpublisher im Buchhandel (leider) nicht zu finden sind, werden deren Werke zum Großteil als E-Books gekauft. Daher ist es für sie überlebensnotwendig, im weltweiten Netz auch gefunden zu werden. Eine Möglichkeit, diese Sichtbarkeit zu erreichen, sind Preisaktionen.

Es wäre daher von eminenter Bedeutung, derartige Preisaktionen auch weiterhin zuzulassen.

Zur Vielfalt

Zugegeben, zwei Millionen sind für das Gesamt-Budget kein großer Betrag, 2,2 Mio auch nicht. Dennoch ist es mir absolut unverständlich, warum es notwendig sein soll Verlage zu fördern. Wozu? Um Bücher zu schaffen, für die es keinen Markt gibt? Im Sinne der Vielfalt? Da wäre das Geld – siehe oben – sogar bei Amazon noch besser aufgehoben.

Wenn es der Gesetzgeber schon für notwendig erachtet einzugreifen, wäre es deutlich sinnvoller das Geld für den Endverbraucher (Leser) auszugeben. Das wäre dann nicht Wettbewerbsverzerrung, sondern Kulturförderung.

Zum Beweis

Zum Beweis meiner Behauptung (Selfpublisher), aber auch zum Nachweis dafür, das auch wir, ohne geförderte Verlage, in der Lage sind, sinnvolle Bücher zu produzieren, lege ich Ihnen eines meiner Bücher bei – eines bei dem Politik keine unwesentliche Rolle spielt.

Ich hoffe, dass diese Zeilen dazu beitragen, bei den anstehenden Veränderungen auch unsere Perspektive zu bedenken und verbleibe

Mit besten Grüßen